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KUNST77 BIS ZUM ABRISS
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77/10 Nina Berkulin

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Nina Berkulin

  • * 09.12.1980 in Würzburg
  • Studium der Malerei und Kulturpädagogik an der Alanus Hochschule (Hochschule für Kunst und Gesellschaft) in Alfter
  • seit dem Diplomabschluss 2003 freikünstlerisch tätig
  • unterwegs in Eurpoa und Übersee
  • Mitglied der Künstlergruppe Punkt 5
  • seit 2006 Referendarin im Fach Kunst an einer Gesamtschule in Siegen
  • derzeit im Westerwald heimisch

Ich bin bei den Zeichnern anzusiedeln

Text von Nina Berkulin

Auf dem Gebiet der Malerei bin ich bei den Zeichnern anzusiedeln.
Zwar trifft von Leinwand und Papier, von Ölkreide über Tempera alles aufeinander, dennoch ist es meist der Stift (Kugelschreiber, Bleistift, Fieneliner), der den Ton angibt und damit der Farbe auf dem Papier das Feld bereitet.

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Hungrig kitzelt ein Strich am anderen und was am Ende daraus entsteht, ist meist ein offener Herumtrieb von fantastischen Wesen, Fleckenmonstern und gedankenverlorenen Hirngespinsten.

Trotz der figürlichen Illustrationen, die sich bewusst schnell mit Affirmationen behaften und an etwas Altbekanntes erinnern, etwa an eine Geschichte, irgendeine Begebenheit; bleibt genügend Raum an den Bildern weiterzustricken.
Dabei findet neben der offenkundigen Verspieltheit, die mit humoristischer Gestik auf den Betrachter überspringt, mehr und mehr auch etwas sehr viel Leiseres und Filigraneres seinen Platz im Ausdruck.

Mit einem ungehaltenen Blick auf die Welt, sucht der plötzlich eingefangene Moment auch die ungebrochene Sehnsucht nach etwas anderem.
Verletzlichkeit und das Zerbrechen am herkömmlichen Schein bilden für mich die Grundlage der Leichtigkeit meiner Zeichenwelt.
Schnelle, spontane Striche kommen ungeschminkt daher. Ihnen bleibt keine Zeit sich anzupassen, zu bedenken, sie schleudern sich aufs Gerdawohl heraus.

Der ungetrübte Blick der sich voller Spannung auf das Gesehene konzentriert ist es auch der uns fernab unserer alltäglichen Rituale immer aufs Neue begegnet.
Wo sich das Fremde zeigt fühlt er sich in seinem Element.
Hierbei spielt das Reisen, das Unterwegssein eine gewichtige Rolle.

Die Welt mit dem Stift erkundend habe ich mich auf leichte Materialien beschränkt. Ich greife auf Tragbares wie Papier und Stoff zurück, auf diverse Stifte, Kreiden und nicht zuletzt das gute alte Aquarell, das den Eindrücken Leben einhaucht.
Die Formate in denen ich mich bewege wollen sich nicht einschränken lassen, haben sich jedoch zumeist in Skizzenbüchern recht wohl gefühlt.

Sie haben aus dem Rucksack schnuppernd unsere Nachbarn: Holland, Schweden und Norwegen beäugt und sind über Hongkong, Singapur und Seoul in Neuseeland und Australien gelandet.
Sie haben sich in Berlin am Spreebett herumgetrieben oder im eigenen Garten - dabei alles aufzusaugen.

Flüchtige Eindrücke, eng verwoben mit persönlichen Sichtweisen, Überlegungen und Gedanken, haben Worten wie Heimweh neues Leben eingeflösst.
Sehnsüchte schreiben sich auf den Leib und fragloses Stimmgewirr sucht sich unter Linien und Punkten seinen Weg.

Was am Ende jeder Reise bleibt, am Ende jeder Rückkehr steht, was sich Heimweh schimpft, ist das was übrig bleibt.

Wie aus dem Unterwegs sein, ideell oder physisch, erzählen meine Zeichnungen immer wieder von einem der auszog das Glück zu suchen und treffen dabei auf Kitsch und pubertierende Romantik.
Und machen sie sich nicht zuletzt dadurch gesellschaftsfähig?
Mein Blick auf die Welt, der verräterisch offen tut, fängt meines Achtens nur ein, was sich jeder denkt.
Er fällt auf die möglicherweise als Fassade vor sich hergetragenen Verleumdungen als Schutz vor der eigenen Identität.
Bedeutungsschwanger gibt sich diese aus Angst mit Halbheiten zufrieden und nährt dennoch, die vage Hoffnung zu genügen, ohne ein heile, heile Segen bestehen zu können.

Was also noch nicht weiß, das ahnt sich schon und tritt sich weiter fest, in kleinformatigen Skizzenbüchern, auf Wänden oder einfach nur im Kopf.

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