Ausstellungsort

KUNST77 BIS ZUM ABRISS
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Ausstellungsdaten

06.08. - 26.08.2005

Thomas P. Proffe

Mehr zu Thomas P. Proffe finden Sie auf seiner Internetseite.

77/3 Thomas P. Proffe

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Thomas P. Proffe

  • * 1965 Gelsenkirchen
  • 1988-1993 Studium: Industrial-Design, Video, Photographie, Wuppertal
  • 1994-1995 Carl-Duisberg-Gesellschaft, Auslandsstipendium,San Francisco
  • 1993-1995 Arbeiten als Photograph und Videokünstler in San Francisco
  • 1995-1996 Arbeiten als Photograph und Videokünstler in Paris
  • 2001-2002 Hangar, Centre de Creació i Producció d’Arts Visuals Multimèdia, Barcelona
  • 2003 Gothaer Kunstforum, Gastatelier; Köln
  • Seit 1991 Ausstellungen im In- und Ausland
  • Seit 2001 lebt und arbeitet in Düsseldorf und Barcelona
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Disparition #11-13

Reinhard Hellrung, Städtisches Museum Gelsenkirchen

Auszüge aus der Rede anlässlich der Ausstellungseröffnung von Thomas P. Proffe im Schloss Horst am 9. Oktober 2003

Dabei sind es nicht die Motive, wie bei manch anderem, die Aufmerksamkeit und Faszination erzeugen: sie sind bei Proffe eher banaler, alltäglicher, unauffälliger Natur. Es ist auch in erster Linie kein ungewöhnlicher Blickwinkel oder Bildausschnitt, der die besondere Qualität seiner Fotografien begründet.

Es ist vielmehr das Zusammenspiel einer konzeptuellen Serialität, einer Beschränkung auf wenige, wohlüberlegte Themen, einer konsequenten Reduzierung der Ausdrucksmittel auf das Wesentliche sowie, was leider in der Fotografie wie auch in der Bildenden Kunst allgemein nicht immer selbstverständlich ist, die große handwerkliche und formale Perfektion seiner Arbeit, die die Qualität und die suggestive Wirkung seiner Werke ausmachen.

Thomas P. Proffes Bilder sind reine eins zu eins Fotografien. Sie wurden nicht beim Belichten, bei der Entwicklung oder in der Dunkelkammer, oder gar am PC, manipuliert, montiert oder irgendwie technisch bearbeitet.

Und dennoch wirken sie seltsam verfremdet, der Wirklichkeit irgendwie entrückt, haben etwas malerisches. Tatsächlich thematisiert er in seinem Werk u.a. den Grenzbereich zwischen Malerei und Fotografie, zwischen Original und Reproduktion, versucht deren Grenzen zu hinterfragen und zu überwinden.

Proffe erhebt seine Fotos zu Unikaten: eine wahre Protesthaltung im Zeitalter der unbegrenzten technischen Reproduzierbarkeit oder vielleicht auch ein Ausloten, ein Hinterfragen von Produktions- und Konsumptionsweisen, ein sich Besinnen in der alltäglichen inflationären massenhaften Bilderflut.

Es ist aber auch ein Hinterfragen der Beziehung zwischen Fotografie und Malerei, zwischen Original und Reproduktion, zwischen Unikat und Vervielfältigung und wohl auch der Erwartungshaltung des Publikums.

[...]Bei ihm tritt zunächst einmal das Abbildhafte seiner Motive in den Hintergrund. Nehmen wir z.B. das Triptychon mit den Schornsteinen, das hier oben über unseren Köpfen hängt.

Obwohl die Schornsteine selbst realistisch und monumental ins Bild gesetzt werden, bleiben sie doch eigentlich anonym: durch den gewählten Blickwinkel kann man sie z.B. keiner bestimmten Fabrik oder Stadt zuordnen, sie sozusagen nicht identifizieren.

Ihrer Individualität derart beraubt, werden sie zum abstrakten Ding an sich, an dem nicht das Abbildhafte interessiert, sondern eher die Form, die Komposition, die Farbigkeit, das Licht, die Art und Weise ihrer Inszenierung durch den Fotografen, und somit die formalen und technischen Gestaltungsmittel selbst und ihre Bedingungen.

Durch die Serie, durch das Triptychon, wird der Betrachter zum genauen Hinsehen und zur Reflexion angeregt: ist es z.B. immer derselbe Schornstein, wurde der Blickwinkel verändert, die Belichtung, die Blende? Wie unterscheiden sich die einzelnen Ansichten und warum?

Wie überhaupt die Serie als grundlegendes Gestaltungsmittel in Proffes Werk im Grunde durch die Wiederholung gleicher oder ähnlicher Motive vom Gegenständlichen abstrahiert und den Blick eher auf das Wie und Warum, auf die Nuancen lenkt und damit auf die Gestaltungsmittel selbst.

Die Serie verweist auch auf die Nähe zum Film und damit zum Medialen: die einzelnen Bilder erscheinen wie die Sequenzen eines Films und thematisieren damit die vierte Dimension: die Zeit.

Denn hierin liegt natürlich, neben dem Blickwinkel oder der Wahl des Bildausschnitts, der wichtigste Unterschied der Einzelbilder untereinander: sie verdanken ihre Differenz einem Vorher und Nachher, einer zeitlichen Abfolge.

Und in dieser Abfolge gibt es im Grunde keinen Anfang und kein Ende.

Thomas P. Proffe trifft aus diesem unbegrenzten Fundus an Möglichkeiten eine Auswahl und setzt sie im gewissermaßen eingefrorenen Moment als Unikate zueinander in Beziehung oder auch in Konfrontation.

Er zwingt uns so zum genaueren Hinsehen und zur Reflexion unserer visuellen Umweltwahrnehmung. Er thematisiert damit aber auch ganz allgemein die Rezeption sozusagen aus zweiter Hand, nämlich durch die Medien, indem er sich ihrer Mittel und Bildsprache bedient.

Vor dem Hintergrund der neuen digitalen Möglichkeiten wirken viele seiner Triptychen wie am PC mit einem Bildbearbeitungsprogramm künstlich aus einer einzigen Vorlage generiert.

Die Irritation und die Verunsicherung des Betrachters, seine geweckte Neugierde und das dadurch ausgelöste genauere Hinschauen sind integraler Bestandteil Proffes künstlerischer Aussage.
[...]
Thomas P. Proffes Fotografien sind immer, spätestens beim zweiten Hinsehen, vielschichtige und komplexe Bilder mit unterschiedlichen Bedeutungsebenen.

In ihrer vereinfachten, reduzierten und ruhigen Bildsprache haben sie eine starke meditative Wirkung auf den Betrachter, gleichzeitig besitzen sie aber in ihrer teils verfremdeten Farbigkeit, in ihren eigenwilligen Blickwinkeln und in ihren seriellen Rhythmen und Differenzierungen auch ein starkes expressives, emotionales Potential.

Schließlich überzeugen sie auch noch mit ihrer präzise kalkulierten formalen und konstruktiven Bildsprache auf der konzeptionellen und intellektuellen Ebene.

Kopf und Bauch, Verstand und Gefühl, werden also gleichzeitig und, ganz wichtig und selten, auch gleichwertig angesprochen.

Im Gegensatz zur täglichen, massenhaften medialen Flut immer gleicher, verbrauchter Bilder schafft Thomas P. Proffe ganz subtile, originelle, eigenwillige Ansichten, die uns eine neue, zum nachdenken anregende Sicht auf die von uns ansonsten kaum noch bewusst wahrgenommenen Dinge des Alltags eröffnen.
[...]

Einzelausstellungen (Auswahl):

  • 1999 Lichthof, "Le Temps", Köln
  • 1999 Galerie Objektiv, Köln
  • 1999 '13. Internationale Photoszene Köln', Maschinenhalle der GEW Köln
  • 2000 'Primavera fotogràfica 2000', Silenus, Andrés Cobo, Barcelona
  • 2000 Galerie Objektiv, Köln, '14. Internationale Photoszene Köln'
  • 2001 Loring Art, Barcelona
  • 2002 Galerie MXespai, Barcelona, Primavera fotogràfica 2002'
  • 2002 Galerie Alexa Jansen, Köln, '16. Internationale Photoszene Köln
  • 2002 Can Basté, Fòrum fotogràfic, Barcelona,
  • 2003 Fotòpsia, Castellbisbal
  • 2003 Schloß Horst, Gelsenkirchen

Gruppenausstellungen (Auswahl):

  • 1994 Galerie Architrave, San Francisco
  • 1998 Das Kunstforum, Köln
  • 1998 "Code", Photographien und Videoinstallation, Aurel S. Thurn, Paris
  • 1999 Städtisches Museum Gelsenkirchen
  • 2000 Galerie Ferran Cano, Barcelona
  • 2000 Photographie, Aurel S. Thurn, Paris
  • 2001 ‘New Art Barcelona’, Hotel Sants, ‘All Open’, Hangar, Barcelona
  • 2003 Sala H, ‘Biennal de Vic’, Vic
  • 2003 Städtisches Museum Gelsenkirchen
  • 2003 14-1 Galerie; Stuttgart

Veröffentlichung (Auswahl):

  • 1999 Camera Austria International, Nr. 65, Graz 1999
  • 1999 13. Internationale Photoszene Köln, Katalog, Köln
  • 1999 Museum Gelsenkirchen, Katalog, Gelsenkirchen
  • 2000 Primavera Fotogràfica, Katalog, Barcelona
  • 2000 14. Internationale Photoszene Köln, Katalog, Köln
  • 2002 Primavera Fotogràfica, Katalog. Barcelona
  • 2002 16. Internationale Photoszene Köln, Katalog, Köln
  • 2003 Fotòpsia, Castellbisbal