77/8 Hans Delfosse

Hans Delfosse
Grafische Gärten
Mit Bedacht sind diese Felder angelegt. Hans Delfosse zeichnet präzise und ohne eruptive Gesten. Parzellen werden abgesteckt. Darüber erstrecken sich geometrische Formen, die oft an Fragmente architektonischer Grundrisse erinnern. Innerhalb der gesetzten, mit dem Lineal gezogenen Grenzen entfaltet sich ein Strichwerk von großer Feinheit: Schraffuren unterschiedlicher Strichstärken und Richtungen, mit dem Messer mehr oder weniger tief ins Papier radiert, gekratzt, freier Hand oder streng parallel. Farben werden freigelegt, die unter dem Schwarz verborgen waren. Es wird Licht, kaltes Licht. Diese an Gärten erinnernden grafischen Gebilde von großer Künstlichkeit sind keine Idyllen. Sie haben eine strenge und irritierende Schönheit. Hans Delfosse erinnern seine Blätter an bearbeitete Radierplatten, an das Bild der metallischen Linien, die klar auf der schwarz eingefärbten Fläche sitzen. Diese Zeichnungen haben eine eigene Qualität, die im Vorgang des Druckens nicht zu erhalten ist. Seine Technik, auf Papier zu radieren, kommt ohne Negativ-Positiv-Umkehr aus. Das ermöglicht es Delfosse, die Präsenz der weißen Zeichnung auf schwarzen Grund zu bewahren. Auf den spielerisch entstandenen Feldern lotet der Zeichner die Unendlichkeit der Variationsmöglichkeiten aus. Er schafft sich eine subjektive Raum- und Zeitstruktur. Beim Betrachten seiner immer verwandten, immer verschiedenen Blätter nimmt man teil an einem Gespräch mit Bildern, das aus einem intensiven Selbstgespräch entsteht.
Jürgen Röhrig
