77/8 Presse
Bonner Generalanzeiger vom 01. Februar 2006

(v.l.n.r.: Hans Delfosse, Karl-Theo Stammer, Ralf Mazura)
Weg vom Druck!
Klassentreffen mit Stammer, Delfosse und Mazura in der Bonner Galerie Kunst 77
Von Christina zu Mecklenburg
Bonn. Eine gemeinsame Zeit an der Kölner Fachhochschule für Kunst und Design schweißt sie zusammen, jetzt hat sie Bernd Zöllner zum Klassentreffen geladen, zum Gedankenaustausch: Theo Stammer, Hans Delfosse und Ralf Mazura.
"Weg vom Druck! Keine Perfektion oder Effekthascherei", lautet die neuerliche Devise des Radierers und Linolschneiders Stammer: Zwischen zwei Glasscheiben gepresst sind Papierschnitte, wo "die Sinnlichkeit der Linie" zum Zuge kommt. Disziplin dominiert in den minutiös ausgearbeiteten Bildarchitekturen des Grafikers Delfosse.
Den meditativ grundierten Bildräumen des Kollegen setzt Maler Mazura die verschachtelten Collagen seiner Bildobjekte entgegen. Malerische Bruchstücke erzeugen Spannung und Verwirrung.
Kunst 77 bis zum Abriss, Bornheimerstr. 77; bis 22. Februar. Di-Do 15-18 Uhr
(01.02.2006)
(Bonner Gerneral-Anzeiger, G3201, 116. Jg., Nr.35274, Feuilleton)
Freundlicherweise hat Frau Christina zu Mecklenburg Kunst77 auch eine Langversion ihres Beitrags zur Verfügung gestellt:
Christina zu Mecklenburg
Kunst 77/bis 22.Februar
Eine gemeinsame Zeit an der Kölner Fachhochschule für Kunst und Design schweißt sie zusammen; sporadische Rendezvous in der rheinischen Heimat entzünden jenen „Klassentreffen“ Traum, der jetzt – dank Kollege Bernd Zöllner- Wirklichkeit geworden ist. Seriös und niveaureich verläuft der aktuelle Gedankenaustausch zwischen Theo Stammer, Hans Delfosse und Ralf Mazura.
„Weg vom Druck! Keine Perfektion oder Effekthascherei“ lautet die neuerliche Devise des Radierers und Linolschneiders Stammer, dem einst in rascher Folge Hans-Thuar Preis, Stipendium der Stadt Bonn und Kunstpreis der Stadt Bonn (1993) zuteil wurden. Zurückgekehrt aus einem, zur österreichischen Wahlheimat führenden Abstecher in die dokumentarische Fotografie, wartet der 1951 Geborene mit Novitäten auf. Zwischen zwei Glasscheiben gepresst sind blonde Papierschnitte (Aktenzeichenpapier), wo „die Sinnlichkeit der Linie“ zum Zuge kommt. Wirbelige Kreisraster, ellipsenförmige Strudelsilhouetten oder fiktionale Handschriftlinien abstrahieren in zarter Schattenbildung die Spontanentwürfe filigraner und fragiler Strukturen.
Disziplin, Konzentration dominiert in den minutiös ausgearbeiteten Bildarchitekturen des Grafikers Delfosse. Schwarzweiße Miniaturen schraffurenartiger Linienverläufe bilden Basismosaike auf deren Oberfläche großzügig umrissene Geometrien schweben. Den meditativ grundierten Bildräumen des Kollegen setzt Maler Mazura die verschachtelten Collagen seiner Bildobjekte entgegen. Spannung und Verwirrung erzeugen malerische Bruchstücke, die architektonischen Rastern und Resten von Kopien überblenden. Abgeblockte oder zerrissene Zusammenhänge, trügerischer Perspektivenwechsel suggerieren jene Bewegungs- und Entwicklungsprozesse, die übergreifender Gegenstand eines keineswegs alltäglichen „Klassentreffen“ sind.
Kunst 77 bis zum Abriss, Bornheimerstr. 77, bis 22.Februar. Di – Do 15 – 18 Uhr.
